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  • Autorenbild: Dr. Florian Hugk
    Dr. Florian Hugk
  • 13. Sept. 2018
  • 1 Min. Lesezeit


Jetzt mal Hand aufs Herz, wer liest denn heutzutage noch Pressenachrichten von Unternehmen? Meistens sind solche Texte auch noch schlecht geschrieben: zu langweilig, zu wenig emotional und trocken, zu wenig SEO-optimiert und damit ohne Nachhall.

Schlimmer ist aber, dass solche Nachrichten meist visuell einfach nicht leserfreundlich gestaltet werden.


Und das, obwohl jeder weiss, dass unsere visuellen Sinne täglich am meisten gefordert werden. Jeden Tag flimmern unsere Monitore, werden unsere Displays speckiger, werden unsere Erwartungen auf diesem Gebiet größer.

Solche Werbebotschaften und Pressenachrichten liest man doch – wenn überhaupt - nur noch im Siebeneckenblick!


Die Aufmerksamkeit Ihrer Kunden ist dabei schneller als Sie denken zwischen den Zeilen verloren gegangen. Achten Sie daher auf die Typografie und das Textdesign! Headlines und Sublines sollten richtig gewählt werden, um die Suchmaschinen nicht zu vergraulen, Abschnitte sollten klar und deutlich (für das Auge!) ersichtlich sein.

Wie sie die Aufmerksamkeit noch mehr steigern können?

Haben Sie mal über einen eigenen Blog nachgedacht? Der steigert nicht nur dauerhaft Ihr Ranking bei Google & Co, sondern bietet Ihnen auch die Möglichkeit Ihren Content leser-, suchmaschinenfreundlich und vor allem kontinuierlich zu präsentieren: Da werden Google & Co aber Augen machen.


Schreiben Sie oder rufen Sie uns an: Mit dr book schreiben Sie Geschichte.







  • Autorenbild: Dr. Florian Hugk
    Dr. Florian Hugk
  • 9. Aug. 2018
  • 4 Min. Lesezeit



Als die Busse einer voll gestopften Raupe gleich, der eine bergauf, der andere talabwärts kroch, bemerkte ich, dass beide Fahrer genau in der Behäbigkeit ihre Hand zum Gruße erhoben, in der sich auch ihr Gefährt auf dem grauen Asphalt voranschleppte. Beide machten dabei ein Gesicht wie Wuppertaler Regenwetter. Und auch an den Haltestellen rechts und links blies der Wind den Fahrgästen ein wenig davon entgegen.

Zwei Sitzreihen gegenüber hatte ein älterer Herr vor einigen Minuten Platz genommen. Mit schlecht gegelten hellgrauen Haaren, die er zu einer Art Stirnigel nach oben gewuchtet hatte. Sein rotbläulicher Teint verriet seine alltäglichen Vorlieben. Und überhaupt. Sein Gesicht war ziemlich aufgedunsen. In der Mitte glänzte ein feuerroter Zinken, alles auf einem massigen Breihals, der seine Falten zu einem Kropf nach vorne fallen ließ.

Er musste schon seit längerer Zeit eine Atemfahne aus Pilsbier und Korn vor sich her getragen haben, anders konnte ich mir die beißende Penetranz, der von ihm ausgeschnauften Alkoholwolke, nicht erklären. Es war halb sechs. Naja. Kein Bier vor vier. Aber dann anderthalb Stunden Blitzbetankung! Ich sah meinen Vordermann in meiner Vorstellung auch schon am Tresen stehen. Rechte Hand am Pilsglas, linke abgestützt am Barhocker:

Machse mek nomma en U-Boot, Gabi? Auf einem Bein kann man nich stehn!

Und Gabi dann: Wenn gar nix läuft, dat läuft, Peter!

Ja. Dat is dat ja.

Zu Hause gab es als Grundlage Schwarzbrot mit Griebenschmalz und Blutwurst. Dazu Export aus der Flasche. Und dann dieses Zisch-Plopp-und-Schäum-Geräusch, nachdem die Flasche und der Oberkörper wie ein Ypsilon verschmolzen waren. Ek geh no namm Gabi!

Der Vielleicht-Peter schnaufte immer noch. Mittlerweile hatte seine Fuselwolke meine Atemwege wie eine Saugglocke abgedichtet. Zu allem schlecht riechenden Überfluss bekam er an der nächsten Haltestelle auch noch Gesellschaft. Ja, klar, die ziehen noch weiter, dachte ich und beobachtete Vielleicht-Peters Kollegen auch schon, der sich leicht schwankend, nachdem er Vielleicht-Peter schon beim Einsteigen mit gesenktem Kopf und erhobener Hand begrüßt hatte, auf eben diesen zubewegte. Dabei hangelte er sich von Stange zu Stange und Sitz zu Sitz, um bloß nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Er war vielleicht Mitte sechzig. Nach seinem Hautbild zu urteilen, war er starker Raucher. Das helle Poloshirt, das er unter seiner ausgewaschenen Jeansjacke trug, war eigentlich nicht zu klein. Und doch ragte sein behaarter Spitzbauch oberhalb des Gürtels eine handbreit hervor. Als er endlich auf Vielleicht-Peter zukam, fragte er:

Wat maaks Du dann hie? Und schon schämte ich mich fremd, denn ich kannte diese unangenehme Situation. Vor allem dann, wenn man jemanden trifft, den man lieber nicht oder nur zum Guten-Tag-und-guten-Weg-Austausch getroffen hatte. Direkt bekommt man ein schlechtes Gewissen. Man möchte vor lauter Verwunderung über die Unangemessenheit der Frage so etwas völlig absurdes antworten wie „Blumen gießen“. Aber man tut es nicht. Würde man es aber tun, könnte man sich sicher sein, dass einem diese Frage, so gestellt, von diesem Fragenden, nicht mehr gestellt werden würde. So einfach wäre das.

Aber die beiden schengten munter vor sich hin. Von Breihals zu Breihals schnauften sie die Worte heraus. Wie man Bücher abgrasen kann nach Worten, so lauschte ich ihrem Gespräch. Und wie ich atmete dabei. Immer die Luft anhaltend, um nicht permanent dieser Fuselwolke ausgesetzt zu sein und um ja nicht auch nur das Geringste der beiden zu verpassen. Als ich vor lauter Atemlosigkeit meine Luft fontänenartig auspusten musste, entpuppte sich das Gespräch als eine Extra-Einladung zu einer ungewollten Stand-up-Comedy:

Ek moss no namm Pitter. Sollte da wirklich ein Peter im Spiel sein? Ich schmunzelte. Nachdem sich Vielleicht-Peter kurz geräuspert hatte, fragte er seinen Kumpanen, bevor er einige undeutliche Kehlkopflaute herausrülpste:

Un sons?

Und der brummte dann diese existentielle Gemütstirade, die man hier aller Orten auffangen kann wie kalte Regentropfen:

Ja muss, ne.

Wunderbar wie die voran kommen, dachte ich und starrte, ohne etwas zu sehen, aus dem Fenster, als Klaus auch schon zur Gegenfrage ausholte:

Un selbs?

In einem Ausstoß von Ebensoplatt entgegnete Vielleicht-Peter, indem er mehr in sich hinein polterte:

Ja. Wie sollet schon sähn? Schäße!

Vielleicht-Peter räusperte sich und strich sich mehrmals den vollen, blonden Oliba glatt. Derweil glotzten beide mit offenem Mund und leerem Blick auf die junge Frau vor der Fahrertüre, die gerade im Begriff war einzusteigen. Das veranlasste Vielleicht-Peters Sitznachbar dazu sich kurz aber kräftig unter der Achsel zu kratzen. Dann gab er mit einem feuchten Fischblick zu erkennen, dass Vielleicht-Peter jetzt mit allem rausrücken müsse. Vielleicht-Peter musste den Kopf zurück genommen haben, um das Kinn gegen den Hals zu drücken. Anders waren diese Töne nicht möglich:

Ek ben so wat von bödient, raunzte Vielleicht-Peter weiter.

Wat is denn Ambach?

Ach, dat is do ewich de jleiche Leier hie. Da kannse do nu Prost saren!

Vielleicht-Peters Mundkartoffel, die heiß und groß auf seiner Zunge tanzte, duellierte sich inzwischen mit zum Teil heftigen Hustenattacken:

Du wirst lachen, Klos, abbor de Pitter muss mek no dat Watter anschloten und is da schon sitt drie, veer Dag om orbäten, der olle Drömmelpitter. Glaupse der hätt dat mann? Ek wöll man so saren: ek hab dem de ganze Driete do hinjelegt. De janze Driss. Wäße, de mach all de Akeldük füdde Stadt. Unjetz achtich Euro do fü. Achtich Euro! Unne ganze Driss is om droppen. Ek bin sowatt von bödeent. Ek steisch dem getz obbett Dach!

Dann hustete er. Mit Land. Danach schluckte er.

Beim Hinausgehen, der Bus hatte gerade am Hauptbahnhof gehalten, meldete sich der Darm von einem der beiden Possenreißer. Ich konnte und wollte nicht ermessen, wer von den beiden sich diese Flatulenz, die wie dröhnende Trompetensatire klang, auf die Fuselfahne schreiben konnte. Die Brüllmücke tanzte indes zwischen Tür und Angel aus dem Bus. Mit angehaltenem Atem stand ich auf und stürzte kurz hinter den beiden zur Türe hinaus.

Iss ja nu am plästern, ja! Dat is do all ne Drissschäße!, hörte man noch von den Schmörmelbrüdern, als ich meinen Kopf am imaginären Schwall des Trompetenkäfers vorbei zur rechten Seite hinausstreckte. Ich musste nach links. Also einen großen Bogen schlagen. Und den Schritt beschleunigen...






  • Autorenbild: Dr. Florian Hugk
    Dr. Florian Hugk
  • 23. Mai 2018
  • 2 Min. Lesezeit



Auf dem Bahnsteig angekommen, hatte der Regen das graue Kleid der Stadt noch undurchsichtiger gemacht. Die Stadt verdiente keine Lobeshymnen. Zumindest jetzt nicht. Sie schien zu wahllos gebunden an ihre urbanen Tiefen, aus denen man in letzter Zeit wohl viel zu selten einmal hinausgelangt war, um die ungetrübte Luft ihrer zahllos zweigigen Höhen ein und aus zu atmen.

Der Regionalexpress hatte Verspätung. Zehn Minuten wurden angezeigt. Die Leute hatten sich in der Mitte des Bahnsteiges versammelt und ihre Nasen bis zur Fusion in ihre Smartphones gesteckt. So als sei das ein unabweisbares Verlangen. Die Kräfte des Verstandes werden einfach untergeordnet, weil man sich mit diesen Digital Drugs ständig versorgen musste, um sich zu produzieren. Es ist dieser komische Zwang, sich damit beschäftigen zu müssen. Und der genauso starke Zwang, jeder Beschäftigung damit strikt auszuweichen. Dass das die sozialen Bindungen eines Individuums dauerhaft zerstören kann, darüber denken die wenigsten nach. Aber es gab sie, die kurzen Augenblicke, die man unentwegt mit den Menschen um sich herum austauschen konnte. Wenn sie kurz von ihren Smartphones aufblickten, um im eigenen Orientierungsmodus ständig auf Standby bleiben zu können. Wie auf der Autobahn. Auf der Überholspur. In Gedanken versunken wendet man den Kopf zur Seite und schaut sich den Menschen, an dem man sich gerade vorbei bewegt, für einen stillen und einsamen Augenblick an. Meistens treffen sich dabei sogar die Blicke für einen flüchtigen Moment emotionsloser Unreflektiertheit. Kurze Zeit später vergisst man dann, was vorher so Blickes würdig war und eilt dem nächsten hohlen Blick hinterher...


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